Die Wiener Wissenschaftlerin für Restaurierung und Konservierung Sigrid Eyb-Green über den Zauber von Kinderbüchern, den genauen Blick und die Vereinnahmung ihres Fachs durch autoritäre Systeme.
Aufbau | Sie arbeiten als assoziierte Professorin am Institut für Konservierung-Restaurierung an der Akademie der bildenden Künste Wien und haben eben mit «Eine Disziplinierung des Blicks» ihre Habilitationsschrift publiziert. Es ist eine grosse Studie dar-über, wie das Restaurieren an der berühmten Akademie der bildenden Künste in Wien professionalisiert worden ist. Im Detail zeichnen Sie darin zum ersten Mal die Vereinnahmung des Fachs durch nationalsozialistische Kunstpolitik und Propaganda nach. Der exakte Blick, das Hinschauen, das Sehen sind Ihr Fokus. Wie kamen Sie zu diesem Blick?
Sigrid Eyb-Green | Als Kind schon hatte ich grosse Lust am Sehen und am Beobachten. Zu meinen prägendsten Erinnerungen gehört das immer wieder Anschauen vertrauter oder auch aufregend neuer Bilder und Geschichten in Kinderbüchern. Dabei entstanden ganz eigene, geheime Räume, voll Zauber und Schönheit, auch Angst und Traurigkeit.
Aufbau | Ein von Ihnen gestaltetes Buch für Kinder heisst «Kunst! Forschen.» Sie fragen darin, ob ein Künstler den Flügelschlag eines Schmetterlings festhalten kann. Kann er?
Sigrid Eyb-Green | Ja, der niederländische Maler Otto Marseus van Schrieck (1619–1687) hat das gemacht. Er legte Schmetterlingsflügel auf noch nicht durchgetrocknete Ölfarbe und unter dem Mikroskop wird sichtbar, dass die Schuppen und der Abdruck des Flügels kleben blieben. Heute wäre es ethisch nicht mehr möglich, dafür Schmetterlinge zu töten, wie er es wahrscheinlich getan hat. Mein Buch versucht, Arbeiten über Materialität in der Kunst, die an der Universität Konstanz gemacht worden sind, für Kinder zu übersetzen.
Aufbau | In einer Miniatur «Acht Übungen zur Verunsicherung» beschreiben Sie, wie Sie beim Radeln einen überfahrenen Hasen finden: «Erst aus der Nähe – der Körper drückte sich flach an die Strasse, der Morgenwind zauste die feinen langen Haare – war ein irritierend unbeteiligtes rotes Glasauge zu erkennen.» Sie entdecken dann, dass es sich um ein Stofftier aus echtem Fell gehandelt hat, und befinden, das Tier sei irgendwie zwei Mal gestorben, einmal vor dem Abziehen des Fells und nun unter einem Auto. Restauratorinnen und Restauratoren brauchen also nicht nur den konzentrierten Blick auf ihre Objekte, sondern ebenso auf ihre Geschichte?
Sigrid Eyb-Green | Meine Analyse ist, dass wir aufgrund der Erfahrungen im Nationalsozialismus versucht haben, objektive Kriterien anzulegen. Wir haben uns lange an Naturwissenschaften, dem technisch und materialmässig Machbaren orientiert. Es gibt jedoch mittlerweile einen «Turn», also eine Umorientierung, unter dem Stichwort «people centered conservation». Vergleichbar sind die neuen Guidelines des International Council of Museums (ICOM) für Museen, die nun als Ort der Begegnung von Menschen gesehen werden, in denen nicht primär Kunstwerke oder Objekte im Zentrum stehen. Die «people centered conservation» ist eine schöne Bewegung. Es gibt keine objektiven Kriterien, wann etwas restauriert wird, sondern es ist ein Aushandlungsprozess. Wir holen Kuratorinnen und Kuratoren dazu, Sammlungsleiter und Sammlungsleiterinnen, mit denen wir diskutieren, wie etwas erhalten wird, welche Geschichten weitererzählt werden und welche nicht. Im neuen Studienplan am Institut für Konservierung und Restaurierung wird sich erstmals und zentral Restaurier-Ethik finden.
Aufbau | Geht es da um Fragen wie «Für wen erhalten wir was?» und «Was darf ich und was nicht?»
Sigrid Eyb-Green | Wie weit gehe ich, wen muss ich in den Entscheidungsprozess mit hineinnehmen? Es gibt keine objektiv richtige Geschichte. Die Entscheidung, was restauriert wird und was nicht, ist eine politische in einer Gesellschaft, aus der wir uns als Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen oder Restauratorinnen und Restauratoren nicht rausnehmen können. Wir diskutieren das auch mit Studierenden. Es geht um eine Verlagerung des Schwerpunkts weg von technischen Aspekten hin zu stärkerem Verstehen des Kontextes. Was bedeutet dieses Objekt, für die Gesellschaft, für bestimmte Personen, und was heisst das für uns in der Restaurierung?
Aufbau | Sie sind auf das Restaurieren von Papier spezialisiert. Was war das älteste Papier, das Sie bisher in ihrer Hand hatten?
Sigrid Eyb-Green | Es war ein Pergament. Es handelte sich um etwas ganz Eigenes, eine sogenannte Totenrotel. Dieses Pergament kam vom Kloster Michaelbeuern in Deutschland. Wenn dort ein Mönch starb, wurde ein Reiter mit dieser Botschaft ausgesandt. Materiell handelt es sich dabei um einen Pergamentstreifen, der wie eine Thorarolle aufgerollt und auf dem zu einer Miniaturmalerei der Tod des Mönchs eingetragen war. Der Bote ist mit diesem Stück ausgeritten und hat es in sogenannte verbrüderte Klöster gebracht. Diese Klöster waren über ganz Mitteleuropa verteilt. Der Bote war von Dezember 1526 bis zum Februar 1528 unterwegs. Beinahe einhundert Äbte haben unterschrieben, dass sie die Seelenmesse für den Verstorbenen lesen.
Ein solches Dokument hat DiplomandinSophie Rabitsch bei uns restauriert und erforscht. Anhand der datierten Einträge kann man nachvollziehen, wann der Bote wo gewesen ist. Interessant ist jedoch, dass es dabei nie um das Jahr, sondern nur um den Tag ging, an dem in jedem Jahr diese Seelenmesse gelesen werden musste. Was wir heute als Zeitstrahl empfinden, die fortlaufende Zeit, zählte nicht. Es muss eine andere Zeitvorstellung geherrscht haben, die zirkulär war. Immer ging es um Feiertage und diese Todestage. Jahresangaben fehlen da oft. Anhand der Tinten, meist war es Eisengallustinte, auch Russtinte, konnte man Datierungen bestimmen.
Aufbau | Wie identifiziert man alte Tinten?
Sigrid Eyb-Green | Da arbeiten wir eng mit dem Akademie-Institut für Naturwissenschaften und Technik in der Kunst zusammen. Es verfügt über ein ganzes Spektrum an Analysemöglichkeiten, von Infrarot- und Falschfarbenfotografie, Reflektografie über Röntgenfluoreszenzanalyse bis Rasterelektronenmikroskopie. Gemeinsam entwickeln wir dann mögliche Szenarien, denn so eindeutig ist das alles nicht. Ein anderes hochinteressantes Objekt bei uns am Institut war ein japanischer Paravent aus der Edo-Zeit (1603–1868). Ihn hat Maria Katharina Plate für ihre Abschlussarbeit «Fünfmal gefaltet um die Welt» untersucht, dabei in den grünen Malschichten erstmals kupferhaltiges Mineral mit Arsen nachgewiesen und dann schonend konserviert.
Aufbau | Wird Materielles wie dieser Paravent und die Pergamentrolle in Zukunft an Bedeutung gewinnen?
Sigrid Eyb-Green | Natürlich fragen wir uns zur Bedeutung von Materiellem. Man sieht ja, dass bei der Digitalisierung von Materialien, beispielsweise Papieren, oft ganz viel verloren geht. Es gibt den Fall der Digitalisierung einer grossen Bibliothek, die danach als Ganze entsorgt wurde – wo man aber vergessen hatte, gefaltete alte geografische Karten aufzuklappen. Die sind unwiderruflich weg.
Aufbau | Wo hat sich das zugetragen?
Sigrid Eyb-Green | Ich denke, die Bibliothek war in Russland. Gerade in der Papierrestaurierung haben wir es oft mit Objekten zu tun, die nicht als Kunstwerk geschaffen wurden und doch unglaublich viel aussagen, als Vorarbeiten, Skizzen etwa, und Verwendungsspuren tragen. Das geht in der Digitalisierung verloren. Es geht auch um das Papier selbst. Wie ist es zusammengesetzt? Was erzählt uns diese Zusammensetzung über die Materialien, über die Produktion? Es gibt den schönen Begriff der Objektbiografie. Er ist etwas umstritten, weil ein Objekt keine Biografie in dem Sinn hat, dass es etwas entscheiden kann. Doch es durchläuft verschiedene Lebensphasen, Veränderungen, Adaptierungen. Das erzählt eine eigene Geschichte. Wenn ich es digitalisiere, habe ich nur ein sehr oberflächliches Abbild. An einem Papier sehe ich so viele Spuren, die sehe ich im Auflicht, im Streiflicht, im Durchlicht. Ich kann mir die Fasern ansehen, das erzählt natürlich auch Sozialgeschichte. Im Sinne von: Wer waren die Lumpensammler? Woher kommen die Fasern, die Rohstoffe? Digitalisiert kann ich das Papier nicht mehr spüren.
Aufbau | Angenommen, wir haben irgendwann die Vergangenheit digitalisiert. Existiert eine Übereinkunft, was erhalten bleiben muss?
Sigrid Eyb-Green | Für uns, die Restauratoren und Restauratorinnen, ist das Erhalten und der minimalst mögliche Eingriff am Objekt ganz klar. Bei Archiven und Bibliotheken, denke ich, gibt es klare Regeln, was «entsammelt» werden darf. Digitalisierung hilft natürlich auch bei der Erhaltung. Aktuell haben wir ein Lagerbuch der um 1900 gegründeten Wiener Werkstätte mit wunderbaren Stoffmustern. Das Buch wurde viel verwendet und ist schwer für eine weitere Benützung zu stabilisieren. Es wurde komplett digitalisiert, jetzt restaurieren wir es und Nutzerinnen und Nutzer können mit dem Digitalisat arbeiten. Wenn jemand die Webtechnik studieren will, ist das natürlich nur am Original machbar. Es braucht also beides.
Aufbau | Denken wir an das United States Holocaust Memorial Museum, das bereits unglaublich viel seines Bestandes digitalisiert hat, und stellen uns vor, es käme irgendwann eine politische Anordnung, die Objekte zu «entsorgen».
Sigrid Eyb-Green | In so einem Fall hoffe ich schon, dass es zu einem grossen Aufschrei käme. Von internationalen Organisationen wie dem bereits erwähnten ICOM, der International Culture Cooperations, dem International Council on Monuments and Sites und dem UNESCO-Weltkulturerbe.
Aufbau | Wenn die ganze Organisation unseres Lebens, unser Leben selbst, nur noch digital passiert – welche Spuren hinterlassen wir dann?
Sigrid Eyb-Green | In den vergangenen Jahren hat sich die Erhaltung digitaler Werke als eigenes Fach herauskristallisiert. Viele Kunstwerke sind mittlerweile digital. Man muss die Digitalisate auch weiter pflegen. Ja, welche Spuren hinterlassen wir selbst, aus unserem Alltag? Ich habe ein kleines Buch mit Einkaufs- und Notizzetteln gemacht, die ich in der Stadt, auf den Strassen, gefunden hatte. Rund 700 solcher Zettel habe ich aufgelesen, jetzt finde ich keine mehr. Werden die weniger geschrieben und verloren? Für mein Buch über die Geschichte des Restaurierens an der Akademie der bildenden Künste Wien habe ich in Archiven geforscht und festgestellt, dass viel an Schriftverkehr in den 1960er und 1970er Jahren abbricht, weil ab da vieles telefonisch abgehandelt wurde. Es gibt nur noch offizielle Protokolle, alles rundum ist nicht mehr nachvollziehbar. Entscheidungsprozesse sind nicht mehr zu entschlüsseln.
Aufbau | Es gibt die Chats.
Sigrid Eyb-Green | Hmm, man möchte sich die Datenmengen nicht vorstellen.
Aufbau | Wie wird Restaurierarbeit in zwei Jahrzehnten aussehen?
Sigrid Eyb-Green | An offiziellen öffentlichen Schritten muss ja weiter sehr vieles schriftlich dokumentiert werden. In der bildenden Kunst ist Papier nach wie vor ein beliebtes Medium. Es hat eine Leichtfüssigkeit, ist sehr mobil und ist nicht teuer. Um Papierarbeit mache ich mir keine Sorgen. Ich unterrichte auch künstlerisches Schreiben, wo wir Texte nach wie vor mit der Hand schreiben. Neurowissenschaftlich ist bekannt, dass Schreiben mit der Hand mehr Gehirnareale aktiviert und auch kreativer ist.
Aufbau | Sie bleiben beim Papier.
Sigrid Eyb-Green | Ich bleibe bei Papier.
Aufbau | Ihr Buch «Eine Disziplinierung des Blicks» dokumentiert, wie das Restaurieren im 20. Jahrhundert an der traditionsreichen Akademie der bildenden Künste Wien zu einem eigenen Fach geworden ist. Und sie schreiben, dass dieses Fach sich als Propagandainstrument des Nationalsozialismus besonders geeignet habe. Wie kann man sich das vorstellen?
Sigrid Eyb-Green | Der Nationalsozialismus und der sogenannte Austrofaschismus in Österreich davor hatten ein prononciert rückwärtsgewandtes Kunstbild. An der Akademie herrschte eine reaktionäre Moderne, die den Weg in die nationalsozialistische Kunst ebnete. Nach dem «Anschluss» Österreichs an das Deutsche Reich 1938 titulierte man sich als «die älteste Kunsthochschule des Deutschen Reichs». Und mit der Berufung auf die grossen alten Meister ist es vom Erhalt des kulturellen Erbes durch Restaurierung zum nationalen kulturellen Erbe nicht weit.
Aufbau | Sie haben als Erste den bisher völlig unbeachteten Mentor der Konservier- und Restaurier-Ausbildung an der Wiener Akademie, den bereits seit der Monarchie 1917 dort beschäftigten Robert Eigenberger, erforscht. Er ist im Jahr 1934 Spion für den NS-Nachrichtendienst geworden und gleichzeitig kam er an die Spitze des neu gegründeten Instituts für Konservierung und Technologie, wie es damals hiess. Seinen Nachlass hat der Mann vernichtet, doch in offiziellen Dokumenten fanden Sie, dass er Informant der Gestapo in Deutschland war und im Jahr 1935 mit Gesinnungsfreunden an der Akademie eine «nationalsozialistische Zelle» aufgebaut hat.
Sigrid Eyb-Green | Auch der Aufbau des Doerner-Instituts in München, heute die Restaurierinstitution der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ist vom Nationalsozialismus geprägt. Das Institut wurde 1937 am gleichen Tag wie die Propagandaschau «Entartete Kunst» eröffnet. Die erste grosse Studie dazu erschien jedoch erst 2016 von Andreas Burmester. Das Institut war der Reichskulturkammer und damit Joseph Goebbels‘ Propagandaministerium unterstellt. Man prangerte die «Verfallserscheinungen der Systemzeit» an und legte Wert auf traditionelle Maltechnik. Genau so hielt man es an der Akademie in Wien, denn es sollte ja Kunst für das «Tausendjährige Reich» gemacht werden. Kunst sollte auch für tausend Jahre erhalten werden.
Aufbau | Sie schreiben, die Moderne wurde als «zersplittert» gebrandmarkt, Restaurierung und Forschung an der Maltechnik wurden zur «Erneuerung der nationalen Kunst» instrumentalisiert.
Sigrid Eyb-Green | Anprangerung einer Industrialisierung der Kunst ist ein klassisches Element dieser Antimoderne. Robert Eigenberger kritisiert ständig die moderne Farbenproduktion. Man müsse sich wieder an den alten Meistern und an deren Maltechnik orientieren und das alles würden nur die Restauratoren verstehen. Es ist verrückt, wie er dieses winzige Institut mit damals sechs Studierenden ins Zentrum der Akademie rücken wollte.
Aufbau | Der glühende Nationalsozialist Eigenberger hat einen Plan entwickelt, der heute wie ein «Our Volk first» klingt. Er wollte eine zentrale Denkmalpflege, «die unserer Heimat, unserem Volk, die Kulturwerke, welche unsere Väter geschaffen oder besessen haben, erhalten, sie umtreuen (sic) und den Nachkommen weitervererben sollen». Und zwei Jahre nach dem Ende des NS-Regimes wurde er nach einem Entnazifizierungsverfahren wieder in die Akademie aufgenommen. Wurde diskutiert, was dieses «Erbe» für das Haus und das Selbstverständnis Ihres Fachs bedeutet?
Sigrid Eyb-Green | Die Akademie selbst hat ihren Blick auf ihre Geschichte äusserst treffend bildlich dargestellt. Es geht um ein Foto der grossen Aula mit Hitler-Büste und Blumenstrauss aus dem Jahr 1942, als die Akademie ihr 250-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. Die Hitler-Büste ist auf einem Sockel in der zentralen Sichtachse inszeniert, dahinter der NS-Reichsadler und ein Hakenkreuz, darüber befinden sich die Reliefs zweier Kaiser. 1946 suchte man offenbar ein repräsentatives Bild der Aula – und retuschierte kurzerhand die Hitler-Büste, den NS-Reichsadler und das Hakenkreuz aus dem Foto. Nur die Blumenvase blieb.
Aufbau | Es gab demnach keine Stunde Null. Sehen Sie Parallelen mit der Entwicklung, der die Universitäten in den USA unter der Trump-Regierung ausgesetzt sind?
Sigrid Eyb-Green | Das Absurde an der Akademie der bildenden Künste in Wien war, dass man schon lange vor dem «Anschluss» Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 deutschnational ausgerichtet war. Anders als an anderen Unis mit vielen jüdischen Professoren gab es da nur einen einzigen jüdischen Lehrenden und nur eine Handvoll jüdischer Studierender. Da musste nichts auf Linie gebracht werden, die Akademie war auf Linie. Die möglichen langfristigen Folgen sieht man am Fach Restaurierung und Konservierung sehr deutlich: Die personelle Kontinuität und mangelnde Distanzierung von der NS-Vereinnahmung führten zu Provinzialisierung und Jahrzehnten internationaler Bedeutungslosigkeit.
In den USA erfolgt die Restaurierungsausbildung meist nicht an den grossen Unis. Generell haben autoritäre Regimes immer grosses Interesse an dem Fach. Und es geht ihm unter solchen Regimes immer gut. Im Frühjahr waren wir für eine Exkursion in Budapest. Dort wurde das grösste Restaurierungsinstitut überhaupt in Europa errichtet. Es ist riesig, bestens ausgestattet, ein Depot für die grössten Sammlungen Budapests, wo diese unter perfekten Bedingungen gelagert und mit einem unvorstellbaren Instrumentenpark restauriert werden. Das ist mir unheimlich. Weil ich die Geschichte der Restaurierung an der Wiener Akademie kenne.
Sigrid Eyb-Green: «Eine Disziplinierung des Blicks. Die Restaurierungsausbildung an der Akademie der bildenden Künste Wien im 20. Jahrhundert»; Letter P., 2025.
Eduard Freudmann, Jakob Krameritsch, Michael Lunardi, Ruth Sonderegger (Hg.): «Ergänzungen und Eingriffe. Zur Geschichte der bildenden Künste Wien»; mandelbaum verlag, 2025.
Sigrid Eyb-Green: «Kunst! Forschen»; Jungbrunnen Verlag, 2022.
Andreas Burmester: «Der Kampf um die Kunst. Max Doerner und sein Reichsinstitut für Maltechnik»; Böhlau Verlag 2016.
Marianne Enigl ist Journalistin in Wien. Zum Fokus ihrer Arbeit, der Zeitgeschichte, veröffentlichte sie u.a. im Nachrichtenmagazin «profil» zahlreiche Beiträge und Serien. Für den ICOMOS Austria Best Practice Award 2025 wurde sie in die Jury berufen.