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JEMEN

Ungewisses Schicksal der letzten Juden des Landes

19. April 2017
Äusserungen des jemenitischen Informationsministers.

Laut einem Bericht von Radio Israel erklärte der jemenitische Informationsminister Moammar al-Iryani, seine Regierung habe keine Informationen über das Schicksal der letzten noch im Lande lebenden Juden. Allgemein wird angenommen, dass sich in diesem kriegszerrissenen Staat noch etwa 50 Juden, 40 von ihnen auf einem Grundstück in unmittelbarer Nähe der US-Botschaft in der Haupstadt Sanaa, aufhalten. Bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Jemen hatte dieses Grundstück unter dem Schutz der Regierung gestanden, doch heute untersteht Sanaa seit anfangs 2015 der Kontrolle der von Iran unterstützten Houthi-Rebellen. Diese betreiben dem Vernehmen nach eine ethnische Säuberung in der Stadt, und wollen sich in diesem Rahmen auch des letzten, kläglichen Restes einer in dem Land einst blühenden jüdischen Gemeinschaft entledigen. Einer der Slogans der Houthis, die auch mit dem ehemaligen Staatspräsidenten Ali Abdallah Saleh locker alliiert sind, lautet gemäss «Times of Israel»: «Tod für Amerika. Tod für Israel. Verflucht seien die Juden. Sieg für den Islam.» Trotz des im Jemen herrschenden kriegsähnlichen Zustands haben die letzten Juden des Staates sich stets stur geweigert, das Land zu verlassen, obwohl ihnen verschiedene Wege offengestanden hatten. – Minister al-Iryani sprach in Paris am Rande einer Konferenz über den Zustand im Jemen dem Vernehmen nach mit einem israelischen Radioreporter und sagte bei dieser Gelegenheit, die Houthis würden die winzige jüdische Restgruppe als Feinde betrachten. Der Minister meinte ferner, der Verlust der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bevölkerung des Landes sei ein Schlag gewesen für das Erbe und die Kultur des Jemens. Seine Regierung hoffe laut Radio Israel, wieder eine Beziehung herstellen zu können mit der jüdischen Gemeinde, die das Land verlassen habe. – Im März 2016 traf die vorläufig letzte Gruppe jemenitischer Juden, insgesamt 17 Menschen, im Rahmen einer geheimen Operation in Israel ein. An dem Unternehmen waren neben der Jewish Agency auch das amerikanischen State Department beteiligt. – In den Jahren 1949 und 1950 wurde der Grossteil der jüdischen Gemeinde des Jemens, rund 49000 Personen, nach Israel geflogen. [JU]





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