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US-WAHLEN

Verpatzte Party in Tampa

28. August 2012
Der Sturm «Isaac» wirbelt den Wahlparteitag der Republikaner durcheinander. Doch Umfragen geben Mitt Romney gute Chancen, Präsident Barack Obama im November zu schlagen.

Tampa ist noch einmal davon gekommen. Der tropische Sturm «Isaac» hat einen westlicheren Kurs eingeschlagen, als am Wochenende befürchtet und steuert nun direkt auf New Orleans zu. Zu einem Hurrikan der schwächsten Kategorie 1 angewachsen, könnte Isaac die Stadt am Mittwoch treffen – genau sieben Jahre nach dem Kategorie 3-Hurrikan «Katrina».

So sind die Republikaner zwar erleichtert, dass Isaac nur zu der Kürzung ihres Wahlparteitages um einen Tag geführt hat. Die bis in winzigste Details für die TV-Kameras geplante Krönung von Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten der «Grand Old Party» (GOP) beginnt erst am heutigen Dienstag und wird am Donnerstagabend enden. Dann wird Romney die Nominierung mit der wichtigsten Rede seiner politischen Laufbahn annehmen. Einer Umfrage des Institutes Pew zufolge interessieren sich die Wähler allerdings etwas mehr für die Rede seines Vize Paul Ryan am Mittwoch. Pew hat dafür ein Verhältnis von 46 (Ryan) zu 44 Prozent (Romney) gemessen

Der Sturm sorgt jedoch dafür, dass die Republikaner ihren Kandidaten und sich selbst nicht allzu heftig und fröhlich feiern werden können – gerade an der Golfküste sind die Erinnerungen an Katrina und die tölpelhafte Reaktion der Bush-Regierung darauf noch in allzu frischer Erinnerung. Obendrein lenkt Isaac die Medien von Tampa ab und mindert so den von den Republikanern erhofften Werbeeffekt der Veranstaltung, die den Präsidentschaftswahlkampf offiziell einläutet.

Auch wenn der Sturm die lange Serie von Störungen und selbstverschuldeten Patzern Romneys im August fortsetzt – allen Umfragen zufolge liegt er dicht hinter, wenn nicht sogar sehr knapp vor Barack Obama. Die Demoskopen achten nun darauf, ob der Parteitag Romney den traditionellen «Bump» beschert, also ein Plus in den Umfragen von 3 bis 8 Prozent.

Besonders aufschlussreich ist eine neue Umfrage der Washington Post vom gestrigen Montag, laut der Romney vor allem eine grosse Hürde im Wege steht: 60 Prozent der Wähler sind davon überzeugt, dass der Multimillionär die Interessen der Reichen verfolgt und keine Sympathie für die Nöte der Bevölkerungsmehrheit hat. Dies dürfte auf die beharrlichen Angriffe der Demokraten auf Romneys Vergangenheit als Investor und seine Weigerung zurückgehen, umfassend Steuererklärungen vorzulegen.

Trotz der schwachen Konjunktur und seiner kümmerlichen Symapthiewerte – Obama liegt zwischen 45 und 48 Prozent Zustimmung, in etlichen Umfragen überwiegt eine ablehnende Wählerhaltung knapp – kommt dieser «rich guy»-Malus Romneys dem Amtsinhaber zugute. Als Person kommt Obama bei den Wählern immer noch besser an, als der mitunter roboterhaft wirkende Mormone. Zudem nehmen 60 Prozent der von der Washington Post befragten Stimmbürger Obama seine endlos wiederholte Behauptung ab, der Verteidiger der Mittelklasse zu sein.

Ob Romney diese Wahrnehmung in Tampa wird ändern können, darf bezweifelt werden. Inzwischen wurde nämlich bekannt, dass die Republikaner für die Millionäre und Milliardäre, die ihnen durch gewaltige Wahlspenden bereits einen finanziellen Vorteil über Obama verschafft haben, einen separaten Parteitag veranstalten. Diese Events gehen zwar auch in Tampa über die Bühne. Aber die paar Dutzend Superreiche und ihr Anhang werden zu exklusiven Treffen mit Romney, seinem Vize Paul Ryan und anderen GOP-Grössen geladen, zu denen das normale Parteivolk keinen Zugang hat. Linke Kritiker sehen dadurch bereits ihren Verdacht bestätigt, dass der Spruch «Wer zahlt, bestimmt» bei den Republikanern der Romney-Ära besonders hoch im Kurs steht. [AM]





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